Die Zeit der Lemminge ist vorbei

 

Wie hat sich der Markt für Projektmanagement Software in den letzten Jahren verändert?

Gibt es wie in den 1980er und 1990er Jahren noch den einen großen Trend dem alle Hersteller folgen? Martin Rudolph, Geschäftsführer der Tiba Technologieberatung GmbH, wirft einen Blick zurück und zeigt auf, welche Anforderungen heute an eine moderne Systemwelt für das Projektmanagement gestellt werden.

Ein Blick zurück
Um einen aktuellen Trend für Projektmanagement Software zu erkennen, ist ein Blick zurück sinnvoll. Die grobe Entwicklung lässt sich sehr gut anhand des Tiba Achsenkreuzes aufzeigen. Die vier Faktoren Mensch, Organisation, Prozesse & Methoden, sowie Software stellen demnach nicht nur die vier Erfolgsparameter im Projektmanagement dar, sondern leisten auch für Analysezwecke bezüglich des Reifegrads im Projektmanagement wertvolle Dienste. Ein Blick zurück zeigt, dass der Markt für Projektmanagementsoftware ungefähr im 10-Jahresrhythmus organisatorische, prozessual-methodische, kulturelle und auch technologische Veränderungen durchlebt hat.

Die 1980er Jahre
In den 80iger Jahren dominierten als „große“ Systeme Großrechneranwendungen wie Artemis 7000/9000 und Termikon neben „kleinen“ DOS und filebasierten Anwendungen wie Timeline u.a. Projektleiter und Anwender von Systemen waren in der Regel technische Projektleiter mit eingeschränkter Führungsverantwortung und geringem kaufmännischem Bezug.

Die 1990er Jahre
In den 90iger Jahren bestimmte das sogenannte magische Dreieck (In time, In budget, In scope) nach und nach die fachliche Komplexität. Großrechnersystem im Projektmanagementbereich verschwanden und Windows sowie Client/Server Systeme bestimmten die Entwicklung. Artemis konnte mit Artemis Views ein Ausrufezeichen setzen. Allerdings versäumte die Firma dann ab dem Jahrtausendwechsel den Trend zu webbasierten Systemen. Es dauerte nur kurze Zeit und der einstige Marktführer war in der Versenkung verschwunden. 

Die 2000er Jahre
In den Nullerjahren gab es schließlich nicht nur den Dualismus aus Einzel- und Multiprojektmanagement (im Sinne projektübergreifender Ressourcenauslastung und Terminplanung), sondern auch das strategische Projektportfoliomanagement erhielt eine stetig wichtigere Bedeutung. Aus dem technischen Projektleiter wurde zunehmend auch ein Projektkaufmann, der die Budgetierungsprozesse mitverantwortete. In IT Projekten von Banken und Versicherungen waren Themen wie Jahresplanung und interne Leistungsverrechnung wesentliche Treiber für weitere Entwicklungen.

Der Trend heute ist, dass es keinen einheitlichen Trend mehr gibt
Heute wird der Begriff Projektmanagement stetig weiter gefasst. Unter dem Dachbegriff Projektmanagement werden heute auch Themen verstanden, die früher anderen Disziplinen zugeordnet wurden. Altbekannte Aufgabenstellungen wie Genehmigungen und Freigaben von Budgets sind heute wie Vertragsfragen vielfach Bestandteil des PMs. Methodisch sind die Zeiten längst passé, als es hauptsächlich um Netzplantechnik, Meilensteintrendanalysen etc. ging. Der Kanon der benötigten Methoden ist weitgefächert.

Steuerung über Plan-Ist-Rest, Änderungsmanagement, Periodenplanung, Arbeitspaketplanung, Recruitment, Auslastung der Linie bis hin zu Berichtswegen sind nur ein paar Punkte für die es heute unterschiedliche methodische und prozessuale Ansätze gibt. (Scheinbar) neue Ansätze wie agiles Projektmanagement und Kanban stehen heute auf den Anforderungslisten von Kunden.

Technologisch kann man heute weniger zwischen „groß“ und „klein“ differenzieren, sondern die Unterscheidung entläuft u.a. entlang der Dimensionen:

  • Out-of-the-box vs. umfassend konfigurierbar
  • On-premise vs. Cloud oder Vergleichbarem
  • Java vs. HTML5  vs. .net
  • Integration über Middleware vs. WebServices vs. API
  • Widget vs. Applet vs. klassische Fenstertechnik
  • Kollaboration bzgl. gemeinsamer Planung vs. Kollaboration mit Sozialen Medien   

 

Der PM Markt wächst nicht nur generisch, sondern erfährt auch eine thematische Erweiterung
Die Veränderungszyklen werden heute immer kürzer. Zehn Jahre dauert nur noch selten eine Entwicklung und diese verläuft eher mehrdimensional. So lässt sich die Fragestellung auch weniger auf „PM Software“ mit der Assoziation nach Gantt-Diagramm und ähnlichem beschreiben, sondern vielmehr nach der gesamten Toolunterstützung im Projektmanagement. Diese beinhaltet je nach Anwendungsgebiet heute z.B. Workflows, Dokumentenmanagement, Risikomanagement, Ticketsysteme, Business Intelligence uvm.

Ein Beispiel:
Ein Projekt als Auftrag wird im CRM initialisiert, die Machbarkeit wg. Ressourcen im PPM ermittelt, Auswertungen nach Kunden und Produkten erfolgt über gemeinsame Nummernkreise in einem Reportingsystem – u.U. auf Basis eines Data Warehouse oder Vergleichbarem. Die HR Daten entstammen einem HR System. Sharepoint, ERP Systeme wie SAP, Dokumentenmanagementsysteme und je nach Anwendungsfall auch CRM Systeme oder Systeme zur Auftragssteuerung bis hin zur Anbindung an Systeme der „Professional Services Automation“ (PSA) spielen vielfach eine Rolle.

Alleine unter dem Begriff Ressourcenmanagement versteht jedoch jeder etwas anderes:
Dies reicht von Bedarfsplanung, Machbarkeiten, Genehmigungsverfahren, Priorisierungsverfahren, Staffingfragen, Zeiterfassung, bis hin zur Leistungsverrechnung uvm.

Eine Integration in andere Systemwelten ist notwendig
Unternehmensübergreifend sind heute vielfach drei Systemwelten (CRM, ERP, PPM) anzutreffen, die einen gleichwertigen Stellenwert haben und zunehmend technisch und prozessual besser integriert werden. Bei manchen Anwendern kommen zudem PLM Systeme hinzu. Darüber hinaus sind weitere SW Systeme (beispielsweise Data Warehouse, Dokumentenmanagement, Kollaboration) als Querschnittssysteme auszulegen.

Und das Alles mit der Software eines Anbieters?
Mitnichten, denn die Anbieter müssen sich immer mehr spezialisieren, wollen sie durch Alleinstellungsmerkmale für ihre Kundenkreise interessant sein.

Den einen großen Trend hinter dem alle Hersteller wie die Lemminge hinterhertrotten gibt es nicht. Methodisch, prozessual, organisatorisch, kulturell und technologisch ist die Vielseitigkeit und Vielfältigkeit enorm. Heute ist eine Toolunterstützung im Projektmanagement deswegen nur noch in seltenen Fällen durch eine alleinstehende Software abdeckbar.

Noch stärker als in früheren Jahren müssen Software-Hersteller ihre Kunden überzeugen. Das gilt für „Ein-Produkt-Hersteller“ genauso wie für Softwarehäuser, bei denen die PM Software nur eines von vielen Produkten ist. Es nützt nichts, wenn man in Evaluierungsprojekten häufig zweiter Sieger ist.

Aber wie um das Jahr 2000 als manch ein PM Anbieter die Zeit verschlafen hat und zu spät auf den Internet/Intranet Zug gesprungen ist, ist knapp fünfzehn Jahre später wieder so ein Zeitpunkt. Manch ein System ist in die Jahre gekommen. Was vor zehn bis fünfzehn Jahren modern erschien, wirkt heute altbacken. Manche Hersteller modernisieren ihre Systeme peu a peu, manche müssen irgendwann das ganze System auf eine neue Plattform stellen. Nicht jeder wird dafür die Finanzkraft haben. Wie vor fünfzehn Jahren wird es neue Player am Markt geben, einige werden im neuen Kleid erscheinen und andere werden verschwinden.

Über den Autor
Martin Rudolph ist seit 25 Jahren als Berater, Trainer sowie in der Konzeption und Implementierung von Lösungen für das toolgestützte Projektmanagement tätig. Der seit 1997 geschäftsführende Gesellschafter der Tiba Technologieberatung GmbH hat erfolgreich zahlreiche Einführungsprojekte von unternehmensweiten und plattform-übergreifenden Projektmanagement-Standardsystemen geleitet.

(c)Tiba Technologieberatung GmbH 

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